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12.07.2026

Eine geistliche Reise mit allen Sinnen – Konzertante Feier der „Missa de Notre Dame“

Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Frauenkirche „Kapell“ in Heideck, als cantus sacralis unter der Leitung von Marco Mulzer gemeinsam mit der traditionellen Liturgie der Kirche zu einer außergewöhnlichen Aufführung der Missa de Notre Dame von Guillaume de Machaut einlud. Die große Zahl der Besucher und die überwältigend positive Resonanz zeigten eindrucksvoll: Das Interesse an geistlicher Musik und authentischer Liturgie ist ungebrochen.

Schon zu Beginn wurde deutlich, dass die Besucher kein gewöhnliches Konzert erwartete. In einer Einführung erläuterte Stadtpfarrer Sebastian Lesch, der vom damaligen Bischof mit der Sorge für die traditionelle Liturgie und Seelsorge beauftragt wurde, die Idee des Abends: Die Musik des 14. Jahrhunderts sollte nicht losgelöst von ihrem ursprünglichen Zusammenhang erklingen, sondern dort, wo sie entstanden ist – im Rahmen der Feier der heiligen Messe.

So wurde die Frauenkirche selbst zum Erlebnisraum. Die mittelalterlichen Wandmalereien, der Hochaltar mit der spätgotischen Madonna, das Kerzenlicht, der dezent aufsteigende Weihrauch und die feierliche Stille bildeten zusammen mit der Musik eine Einheit. Die Besucher wurden eingeladen, sich nicht nur als Zuhörer zu verstehen, sondern sich mit allen Sinnen auf das Geschehen einzulassen.

Die Missa de Notre Dame gilt als die erste vollständig erhaltene mehrstimmige Messvertonung eines einzelnen Komponisten und zählt zu den bedeutendsten Werken der europäischen Musikgeschichte. Mit großer Präzision, klanglicher Reinheit und beeindruckender Ausdruckskraft ließ cantus sacralis dieses Meisterwerk neu lebendig werden. Die Sängerinnen und Sänger überzeugten durch ihre stilistische Sicherheit und ihre intensive musikalische Gestaltung.

Gefeiert wurde ein feierliches Hochamt nach der überlieferten Liturgie der römischen Kirche. Kreuz, Leuchter, Weihrauch, Zeremoniar und ein würdevoller liturgischer Dienst verliehen der Feier jene feierliche Form, für die diese Liturgie seit Jahrhunderten bekannt ist. Die Ministranten hatten sich sorgfältig auf diesen anspruchsvollen Dienst vorbereitet und trugen wesentlich zum würdigen Ablauf der Feier bei.

Viele Besucher ließen sich bewusst auf diese ihnen teilweise neue Form der Liturgie ein. Das lateinische Messformular, die Gregorianik, die mehrstimmigen Gesänge und die klaren liturgischen Zeichen eröffneten einen Zugang zu einer Spiritualität, die auch heute nichts von ihrer Ausdruckskraft verloren hat. Immer wieder war nach der Veranstaltung zu hören, wie sehr gerade die Verbindung von Musik, Architektur und Liturgie die Menschen berührt habe. Zahlreiche Gäste sprachen von einer besonderen Atmosphäre der Ruhe, Schönheit und Sammlung, die weit über ein gewöhnliches Konzerterlebnis hinausging.

Die durchweg positive Resonanz bestätigte die Grundidee des Abends: Diese Musik ist nicht ursprünglich für den Konzertsaal geschrieben worden, sondern für die Liturgie. Erst im Zusammenspiel von Gesang, Gebet, sakralem Raum und den liturgischen Zeichen entfaltet sie ihre ganze Tiefe.

Ein herzlicher Dank gilt dem Ensemble cantus sacralis und seinem Leiter Marco Mulzer für die hervorragende musikalische Gestaltung. Ebenso danken wir Kaplan Armin Drechsler, unserem Mesner Marcus Hohmann, den Ministranten sowie allen Helferinnen und Helfern, die zum Gelingen dieses besonderen Abends beigetragen haben.

Nicht zuletzt danken wir den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern, die sich auf dieses geistliche Experiment eingelassen haben. Die voll besetzte Kirche und die große Begeisterung am Ende der Feier machen Mut, auch künftig Wege zu gehen, auf denen die Schönheit der Liturgie und der Kirchenmusik Menschen neu für den Glauben öffnen kann.

Denn Schönheit ist kein Selbstzweck. Sie verweist über sich hinaus – auf Gott. Und genau das war an diesem Abend in der Frauenkirche Heideck auf eindrucksvolle Weise zu erleben.